VizeBgm.in Mauser im Gespräch mit den neuen Community Nurses DGKP Elisabeth Aroeti und DGKP Verena Wagner:
Damit Menschen möglichst lange gesund und selbstständig bleiben können, wird künftig das neue Community-Nursing-Team in Wolkersdorf aktiv sein. Wir haben mit den beiden diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen Elisabeth Aroeti und Verena Wagner gesprochen, die
hinter diesem Angebot stehen – und dabei viel über ihren außergewöhnlichen Werdegang, ihren Alltag und die besonderen Momente ihrer Arbeit erfahren.
Wie wird man Community Nurse, und was ist ihre Aufgabe?
„Eine Community Nurse ist eine diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung“, erklären die beiden. Für sie persönlich sei vor allem eines entscheidend: Erfahrung in der Hauskrankenpflege, in der Langzeitpflege und im geriatrischen Bereich. „Dieses Anforderungsprofil können wir beide sehr gut abdecken.“
Community Nursing bringt professionelle, präventive und beratende Pflege direkt zu den Menschen in der Gemeinde – kostenlos und niederschwellig. Ziel ist, Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen und Angehörige zu entlasten.
ZWEI BEEINDRUCKENDE BERUFSWEGE
Elisabeth Aroeti blickt auf eine besonders vielseitige Laufbahn zurück: „Ich war nach meinem Diplom zunächst im Spital, bin dann aber nach Israel ausgewandert. Dort habe ich sowohl am Toten Meer als auch in Arad gearbeitet – in Kurbetrieben der ÖGK für Menschen mit Asthma, Neurodermitis und Psoriasis.“ Nach ihrer Rückkehr 2003 war sie viele Jahre in der Hauskrankenpflege tätig und später fast zehn Jahre Teamleiterin im stationären Bereich. Ihre Kollegin Verena Wagner war nach ihrer Ausbildung im Krankenhaus tätig. Zuerst auf der Abteilung für Akutgeriatrie, danach im Bereich der Kurzzeitpflege und um das ganze abzurunden auch noch auf einer Station mit dem Schwerpunkt Remobilisation.
DER ALLTAG: KEIN TAG WIE DER ANDERE
Einen „typischen“ Arbeitstag gebe es nicht, sagen beide mit einem Lächeln. „Wir haben fixe Arbeitszeiten, aber dazwischen ist alles flexibel. Manchmal steht plötzlich jemand im Büro und braucht Unterstützung – wenn wir können, nehmen wir uns sofort Zeit.“
Zu den Aufgaben gehören Hausbesuche und Beratungsgespräche. Vernetzungstreffen, Fortbildungen und regelmäßige Jour-fixes runden ihr Tätigkeitsbild ab. Besonders häufig geht es um
• Pflegegeld und Möglichkeiten für finanzielle Unterstützung
• Entlastungsangebote für Angehörige
• Fragen rund um das Thema Demenz.
Hausbesuche machen den größten Teil der Arbeit aus: „Wir werden deutlich häufiger zu den Menschen nach Hause gerufen, als dass sie ins Büro kommen. Dorthin kommen eher pflegende Angehörige, die Rat und Hilfe brauchen.“
SCHÖNE MOMENTE – UND ANSPRUCHSVOLLE SITUATIONEN
Auf die Frage nach den schönsten Erfahrungen müssen beide nicht lange überlegen: „Es gibt so viele! Besonders stolz sind wir auf unsere Infoveranstaltungen. Wenn plötzlich 70 Leute im Publikum sitzen, spürt man, wie wichtig unsere Arbeit ist.“ Langfristige Beziehungen zu den Menschen, die pflegetechnisch betreut werden, seien ebenso wertvoll. „Da kommt unglaublich viel Dankbarkeit zurück.“ Doch es gibt auch belastende
Situationen. Sie erzählen von Fällen, in denen Menschen notwendige Veränderungen aus Angst oder Gewohnheit ablehnen – manchmal mit tragischen Folgen. „Wenn wir sehen, dass sich ein Schlafzimmer ins Erdgeschoss verlegen ließe, weil die Stufen gefährlich sind, und die
Betroffenen weigern sich, und kurz drauf stürzt jemand genau da runter: Das macht uns betroffen.“
START IN WOLKERSDORF: MIT FREUDE UND NEUEN HERAUSFORDERUNGEN
Als sie erfuhren, dass sie künftig auch Wolkersdorf betreuen dürfen, war die Reaktion eindeutig: „Wir haben uns einfach gefreut. Eine neue Herausforderung und wir hatten von Anfang an ein gutes Gefühl.“
Die größte Herausforderung sehen beide darin, das Angebot bekannt zu machen und Verständnis für ihre Rolle zu schaffen: „Wir nehmen niemandem Arbeit weg. Wir sind unterstützend und ergänzend da. Aber
viele wissen nicht genau, wann sie uns rufen sollen. Genau das wollen wir ändern.“
Facts&Figures
WAS IST COMMUNITY NURSING?
Ziel ist, Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu Hause zu ermöglichen. Das Angebot umfasst
• professionelle Pflegeberatung direkt in der Gemeinde
• präventive Hausbesuche zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit
• beratende und vernetzende Unterstützung.
An wen richtet sich das Angebot?
• Menschen bei guter Gesundheit, die diese erhalten wollen
Themen: Mobilität, Merkfähigkeit, Einsamkeit, Appetit, Vorsorge, Patientenverfügung
• Menschen mit bestehenden Gesundheitsproblemen
Themen: Umgang mit Erkrankungen, Hilfsmittel, finanzielle Unterstützung, Vorbereitung auf Arztgespräche
• Pflegende Angehörige
Themen: Belastungen, Pflegeorganisation, Entlastungsangebote, Pflegetechniken
Wann und wo kann das Angebot in
Anspruch genommen werden?
Ab 17.11. sind die Community-Nurses in Wolkersdorf verfügbar. Ihre Sprechstunden sind ab 26.11. jeden Mittwoch von 09.00 –12.00 Uhr in der Hauptstraße 30, 2120 Wolkersdorf (Zugang über die Bibliothek Wolkersdorf). Die Terminvereinbarung für Hausbesuche ist ab sofort unter 0660 401 51 80 möglich.